Rezension zu Fran Rays „Das Syndikat“

Grunddaten:

Autor: Fran Ray

Titel: Das Syndikat

Laufzeit: 382  Minuten (6 CD´s)

ISBN: 978-3-7857-4616-5

Verlag: Lübbe Audio

Inhalt laut Verlag:

San Diego: Ein friedfertiger Familienhund wird urplötzlich zur reißenden Bestie.

Brüssel: In einem Restaurant detoniert eine Bombe. Unter den Toten ist ein Journalist, der zuletzt Zeuge eines Mordes wurde, der als Selbstmord ausgegeben werden soll.

Afghanistan: Eine Söldnergruppe hat ein schreckliches Massaker verübt. Innerhalb nur eines Jahres sind alle Soldaten tot.
Zufall?

Doch was, wenn es den Zufall nicht mehr gibt?

Meine Meinung:

Thema: Das zentrale Thema des Geschehens ist eine Verschwörung, deren Ausmaße die ganze Gesellschaft verändern soll. Es geht um Forschungen und Versuche an Menschen und Tieren. Die Organisation, die hinter allem steckt, ist mächtig und hat selbst wichtige Persönlichkeiten im Griff, über die man als Hörer sehr verwundert ist.
Die Geschichte ist absolut spannend erzählt. Ich hätte das Hörbuch am liebsten in einem Rutsch gehört, weil man sich einfach nicht losreißen kann.
Die Ereignisse überschlagen sich und anstatt offene Fragen zu beantworten, stellen sich dem Hörer immer neue, die auch am Ende teilweise offen bleiben.

Charaktere: Die Geschichte wird zwar in der Er-Perspektive erzählt, aber man hat dennoch das Gefühl, dass man das Geschehen aus der Sicht von Karen Burnette erlebt. Sie ist eine Journalistin, die ihre Familie verloren hat und sich auch sonst durchs Leben schlagen muss. Einige traumatische Ereignisse aus ihrer Vergangenheit lassen sie nicht los und so begibt sie sich auf die Suche nach Antworten.
Für mich eine gelungene Protagonistin, einfach weil sie nicht Perfekt ist und auch menschliche Fehler macht.

An mancher Stelle war ich von den Nebencharakteren etwas verwirrt. Einige Stellen musste ich sogar mehrmals hören, weil die Flut an Informationen und neu auftretenden Charakteren groß war.
Generell ergab die Vielzahl der Nebenrollen aber einen Sinn und wenn man erstmal den Durchblick hatte, haben sich einem immer wieder neue Abgründe aufgetan…

Gefühl: Im Nachhinein hat mich das Hörbuch sogar nachdenklich gestimmt. Das Szenario ist zwar frei erfunden, aber alles könnte ja irgendwie und irgendwann eventuell mal in die Realität umgesetzt werden. Es ist beängstigend wie die oberen Chefs einer Firma, so viel Macht über die Bevölkerung ausüben könnten. Leider kann ich hier nicht ins Detail gehen, da ich sonst spannende Inhalte der Geschichte verraten würde.

Stimme: Ein großes Kompliment an Milena Karas! Sie hat hier einen hervorragenden Job gemacht!
Die Sprecherin hat es mit ihrer Stimme geschafft, die verschiedenen Charaktere zum Leben zu erwecken und die Spannung zu einem unerträglichem Maß zu steigern. Genau das, was ich von einer guten Sprecherin erwarte!

Abschließend kann ich das Hörbuch allen Verschwörungtheoretikern und Spannungsliebhabern empfehlen. Der Inhalt, der mich neugierig gemacht hat, hat nicht zu viel versprochen.
Ein absolut unterhaltsames Hörbuch mit einer fabelhaften Sprecherin.

Bewertung: 5/5 Sterne

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Rezension zu Antje Babendererdes „Julischatten“

Grunddaten:

Autor: Antje Babendererde

Titel: Julischatten

Laufzeit: 294 Minuten (4 CD´s)

ISBN: 978-3-8337-2930-0

Verlag: Jumbo

 

Inhalt:

Sim heißt eigentlich Simona und will um jeden Preis auffallen. Und das tut sie wie ein bunter Hund im Reservat Pine Ridge im Nordwesten der USA, mit ihren merkwürdigen kurzen Haaren, ihren verrückten Klamotten und dem schiefen Lächeln. Doch als sie die unzertrennlichen Freunde Jimi und Lukas kennenlernt, ändert sich etwas für sie. Denn der blinde Lukas zeigt ihr eine ganz neue Sicht auf die Welt und auf sich selbst, und in den attraktiven Jimi verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch die Dinge in Pine Ridge sind nicht so, wie sie scheinen. Während die Ereignisse sich überschlagen, muss Sim erkennen, dass sie sich für einen der beiden Jungen entscheiden muss.

Meine Meinung:

Thema: Die zentralen Themen des Hörbuchs sind Drogen, Alkohol, Sex und Liebe. Ebenso dreht sich alles um das Indianerreservat in dem Sim ihre Sommerferien verbringen soll. Meiner Meinung nach kann man eine ganze Menge über die Kultur der ehemaligen IndianeUreinwohner lernen. Die Autorin scheint eine Menge Recherchearbeit betrieben zu haben und das muss hier mal durch eine positive Erwähnung belohnt werden.
Generell kann man sagen, dass sich die Protagonistin mit den üblichen Problemen eines Jugendlichen herum schlagen muss.

Charaktere: Simona aka Sim ist eine wirklich schillernde und doch emotionale Persönlichkeit. Sie wird von ihren Eltern nach einer Alkoholvergiftung zu ihrer Tante ins Reservat nach Amerika geschickt um von Alkohol und den falschen Freunden weg zu kommen. Sie gibt sich zunächst hart und distanziert, doch mit der Zeit lernt man sie und ihre Probleme näher kennen und kann ihre Handlungen nachvollziehen.

Auch die beiden männlichen Protagonisten sind sehr gelungen. Ihren Konflikt mit Sim und auch den Konflikt untereinander kann man absolut nachvollziehen. So unterschiedlich sie auch sind, verbindet sie doch ihre Bruderliebe miteinander. Mein Lieblingscharakter war Lukas, weil er durch seine Blindheit eine andere Sicht der Dinge hatte. Er war mir von Anfang an sympathisch, während ich mit Sim so meine Probleme hatte.

Stimme: Die Stimme war leider nur ok. Nichts besonderes und die männlichen Charaktere sind für mich nicht richtig deutlich geworden. Vielleicht hätte man ja einfach noch zwei männliche Sprecher einsetzen können? Hier muss ich leider Abzüge in meiner Bewertung machen.

Gefühl: Das Feeling der Geschichte ist absolut gelungen. Durch die Umgebungsbeschreibungen der Autorin habe ich mich teilweise wirklich auf einer Ranch mitten in der Prärie befunden und konnte sogar die Hitze spüren. Die Atmosphäre war also sehr authentisch dargestellt.

Auch an Emotionen hat es während der Geschichte nicht gemangelt. Was die Charaktere gespührt haben, hat auch der Hörer wahrgenommen und genau so muss es doch schließlich sein, oder?

Alles in Allem ein gutes Hörbuch für alle Fans von Pferden, Indianern, Amerika und für all jene, die sich (noch mal) mit den Problemen von Teenagern auseinander setzen möchten. Bildgewaltige Beschreibungen und sympathische Charaktere runden das Geschichte ab.

Bewertung: 4/5 Sterne

Rezension zu Patrick Ness & Siobhan Dowd´s „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Grunddaten:

Autor: Patrick Ness & Siobhan Dowd

Titel: Sieben Minuten nach Mitternacht

Laufzeit: 276 Minuten (4 CD´s)

ISBN: 978-3867177832

Verlag: der Hörverlag

 

Zum Inhalt:

Conor ist 13 Jahre alt und seit er von der unheilbaren Krebserkrankung seiner Mutter weiß, sucht ihn ein Albtraum heim. Dieser Albtraum kehrt immer um sieben Minuten nach Mitternacht wieder.

Doch diese Nacht erwartet ihn ein anderes Wesen. Es scheint so alt und weise wie die Welt und es kennt seine geheimsten Wünsche, Sehnsüchte und Ängste. Doch was will es von Conor?

Meine Meinung:

Thema: Da es sich um ein Jugend(hör)buch handelt, finde ich das Thema „Krebs“ höchst sensibel. Die Autoren bringen es auf eine einfühlsame Weise rüber. Es werden diverse Geschichten und Gleichnisse verwendet um dem Protagonisten die Augen für die Wahrheit zu öffnen. Gerade diese Geschichten finde ich sehr gelungen und überzeugend.

Charaktere: Ich kann mich vollkommen in den Protagonisten hinein versetzen, da ich selbst erst kürzlich eine nahe stehende Person an den Krebs verloren habe. Seine Ängste, Zweifel und seine Unsicherheit sind authentisch. Gerade als 13jähriger möchte man seine Mutter sicher nicht los lassen. Der Fokus wird fast ausschließlich auf Conor gelegt. Mutter, Vater, Oma und die Personen aus der Schule sind eigentlich nur da um die Geschichte abzurunden.

Eine weitere wichtige Rolle spielt das Monster, das Conor nachts besucht. Es spiegelt sein innerstes wider und versucht ihm die Augen zu öffnen. Trotz allen erscheint es sehr liebenswert.

Stimme: Frau Furtwängler schafft es eine tolle Geschichte mit einer wunderbaren Stimme einzulesen. Obwohl ich anfangs noch dachte, dass eine tiefe Männerstimme vielleicht geeigneter wäre um die düstere Stimmung widerzuspiegeln, habe ich mich schnell vom Gegenteil überzeugen lassen. Mit ihren verschiedenen Höhenlagen lässt sie sowohl eine gruselige als auch eine emotionale und gefühlvolle Stimmung zu. Großes Kompliment an sie.

Gefühl: Was soll ich hier groß sagen? Nachdem die letzte CD verklungen war, saß ich mit Tränen in den Augen auf meiner Couch und die Geschichte hat einen dumpfen Nachgeschmack hinterlassen. Es handelt sich hier wirklich um eine dramatische, gefühlvolle und traurige Erzählung, die durch die Geschichten des Monsters aber durchaus einen pädagogischen Effekt erzielt.

Ich bin wirklich tief beeindruckt und überwältigt. Ein großartiges Meisterwerk.

Bewertung: 5/5 Sterne!

Rezension zu Jodi Picoults „In den Augen der Anderen“ – Hörbuch

Grunddaten:

Autor: Jodi Picoult

Titel: In den Augen der Anderen

Laufzeit: 399 Minuten (6 CD´s)

ISBN: 978-3-7857-4510-6

Verlag: Lübbe Audio

 

Zum Inhalt:

Jacob Hunt leidet unter dem Asperger-Sydrom, einer autistischen Störung. Deswegen mag er die Farbe Orange nicht und braucht eine gewisse Routine. Alles was von der Norm abweicht, macht ihn unsicher und aggressiv. Doch Jacob hat eine Leidenschaft: Die Kriminaltechnik. Jeden Tag um 16.30 Uhr schaut er sich die Serie „Crime-Busters“ an und vermerkt seine Beobachtungen fein säuberlich in einem Notizheft.

Doch dann wird seine Erzieherin Jess tot aufgefunden und alle Beweise sprechen gegen ihn. Schlimmer noch: Er muss sich vor Gericht verantworten. Zusammen mit dem Anwalt Oliver Bond nimmt seine Mutter Emma den Kampf auf. Denn es geht darum Jacob vor dem Gefängnis zu bewahren – und um die Rechte von Menschen, die anders sind.

Meine Meinung:

Thema: Die Geschichte um den autistischen Jacob ist in einem spannenden Gewand verpackt. Bis zur letzten CD wird die Spannung auf einem hohen Level gehalten, weil man nicht weiß, wer nun der Mörder von Jess ist. Man kann immer wieder miträtseln und ist dann doch vom Ende überrascht.

Charaktere: Der Hauptcharakter Jacob erlaubt einen tiefen Einblick in die Denkensweise eines Autisten und ist liebevoll gestaltet. Auch sein Bruder und seine Mutter sind starke und dominante Charaktere. Gerade die Mutter, die alles für ihr Kind tun würde und die sich wie eine Löwin vor ihn stellt und ihn verteidigt. Ich fand alle Charaktere authentisch und überzeugend. Jeder hat seine Rolle gespielt.

Stimme: Die Stimmen der Synchronsprecher waren überaus angenehm. Die sanfte Stimme der Mutter, die raue, schroffe Stimme des Detectivs oder die ähnlichen Stimmen der beiden Brüder. Ich konnte mir durch die Stimmen die Charaktere bildlich vorstellen.
Was ich auch besonders toll fand waren die Perspektivenwechsel. So hat man sich immer wieder in die Lage der verschiedenen Charaktere hineinversetzen können und konnte deutlich erkennen wie Jacob in den verschiedenen Blickwinkeln wahrgenommen wurde.

Gefühl: Das Gefühl war hier auf einem hohen Level, da es um ein berührendes Schicksal ging. Die Grenzgänger der Gesellschaft sozusagen. Nur weil Jacob durch sein Syndrom anders wahrgenommen wird, ist er für das Gericht und die Staatsanwältin der perfekte Mörder.

Alles in Allen eine spannende Geschichte auf der Suche nach dem wahren Mörder mit einem berührendem Schicksal. Es geht um Eifersucht, Liebe, Familie und die Gesellschaft, die Leute, die anders sind nur zu gerne ausgrenzt.

Bewertung: 5/5 Sterne